Unternehmertum

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Talent wird überschätzt: Warum Ausdauer den Unterschied macht.

An der härtesten Militärakademie der Welt entscheidet nicht der Fitteste oder Schlauste, wer durchhält. Sondern ein einziger Charakterzug, den du trainieren kannst.

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Sommer in West Point. Tausende junge Menschen, ausgewählt aus zehntausenden Bewerbern, alle topfit, alle hochintelligent, alle mit makellosen Lebensläufen. Dann beginnt das berüchtigte Sommertraining, sechs Wochen Drill ohne Pause. Und reihenweise brechen genau diese Auserwählten ab. Nicht weil ihre Muskeln versagen. Sondern weil sie aufgeben. Die Frage, die eine Psychologin daraufhin umtrieb, ist auch deine Frage, wenn du in deinen ersten Job startest: Wenn alle talentiert sind, warum kommen dann nur manche durch?

Angela Duckworth gab der Antwort einen Namen. Grit. Eine Mischung aus Leidenschaft und Beharrlichkeit für ein langfristiges Ziel. Kein lautes Wort, eher das Gegenteil. Es beschreibt den Menschen, der nach dem fünften Rückschlag noch einmal anfängt, während die anderen längst weitergezogen sind. In ihrer vielzitierten Studie von 2007 maß Duckworth bei über zweitausend West-Point-Kadetten den Grit-Wert vor dem Training. Das Ergebnis war unbequem für alle, die an reines Talent glauben: Wer durchhielt, ließ sich besser über Grit vorhersagen als über Aufnahmetests, Schulnoten oder Fitnesswerte.

Es blieb nicht beim Militär. Beim nationalen Buchstabierwettbewerb der USA kamen die Kinder weiter, die hartnäckiger übten, nicht die mit dem höheren IQ. Unter Studierenden an Spitzenuniversitäten hatten oft die Beharrlicheren die besseren Noten, obwohl sie nicht mit den besten Aufnahmewerten gestartet waren. Über sechs Stichproben hinweg zeigte sich dasselbe Muster: Grit sagte Erfolg voraus, und zwar unabhängig davon, wie intelligent oder begabt jemand war. Talent und Ausdauer sind eben nicht dasselbe. Manchmal stehen sie sogar gegeneinander.

Warum ist das so? Weil Talent nur den Start gewinnt, nie das Rennen. Kein Ziel, das sich lohnt, wird in der ersten Woche erreicht. Was zählt, ist die Summe vieler unspektakulärer Tage, an denen der erste Reiz längst weg ist und du trotzdem weitermachst. Genau hier trennt sich die Spreu. Wer einen Rückschlag liest als 'Das ist nicht meins', verliert seinen Anfangsvorsprung schnell. Wer ihn liest als 'Noch nicht', sammelt Übung, Routine und kleine Siege, die sich leise aufaddieren, bis sie plötzlich nicht mehr klein sind.

Kurze Challenge

An der Militärakademie West Point sagte Grit besser voraus, wer das harte Sommertraining durchhält, als ein bestimmter klassischer Maßstab. Welcher gehörte NICHT zu den Faktoren, die Grit dabei schlug?

2.000+West-Point-Kadetten, bei denen Grit das Durchhalten besser vorhersagte als jeder Talenttest

Bei über 2.000 Kadetten der US-Militärakademie West Point sagte Grit (Ausdauer und Leidenschaft) besser als Aufnahmetests, Schulnoten oder Fitnesswerte voraus, wer das harte Sommertraining durchhielt. Über sechs Stichproben hinweg wirkte Grit unabhängig von Intelligenz und Talent.

Quelle: Duckworth, A. L., Peterson, C., Matthews, M. D., & Kelly, D. R. (2007). Grit: Perseverance and Passion for Long-Term Goals. Journal of Personality and Social Psychology, 92(6), 1087-1101

Im Vertrieb kannst du das fast wörtlich beobachten. Stell dir zwei Einsteiger vor. Der eine ist das Naturtalent, charmant, redegewandt, jeder mag ihn. Der andere wirkt unscheinbar, formuliert sorgfältig. Nach drei Monaten hat der Charmeur nach der zehnten Absage innerlich abgeschaltet. Der Unscheinbare sitzt noch am Telefon und wählt Nummer elf. Ein Gespräch ist ein Spiel der Wiederholung, in dem die meisten Kontakte zu nichts führen. Wer nach jeder Absage einknickt, kommt nie in den Rhythmus, der die wenigen Zusagen überhaupt erst möglich macht. Beharrlichkeit ist hier kein Heldentum, sie ist schlicht die Eintrittskarte, lange genug im Spiel zu bleiben, bis deine Methode greift.

Jetzt die wirklich gute Nachricht. Grit ist kein angeborenes Schicksal. Duckworth zeigt, dass es wächst, wenn du es trainierst: indem du dich an einem Ziel ausrichtest, das dir wirklich wichtig ist, und übst, mit Frust umzugehen, statt vor ihm zu fliehen. Konkret heißt das, an schwachen Tagen nicht zu fragen, ob du heute Lust hast, sondern ob du dein Ziel noch willst. Und dann die Messlatte auf eine einzige Handlung zu senken, die du trotzdem tust. Ein Anruf. Eine Seite. Ein Versuch.

Wenn du also als Berufseinsteiger das Gefühl hast, andere bringen mehr Talent mit, dann ist das selten das Ende der Geschichte. Oft ist es nicht mal der Anfang. Denn am Ende entscheidet nicht, wer schneller startet, sondern wer nach dem zwanzigsten Nein noch einmal zum Hörer greift. Diese Eigenschaft steht in keinem Zeugnis. Aber sie ist die, auf die es wirklich ankommt.

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