Unternehmertum

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Was Schule dir über Geld nie beigebracht hat.

Drei winzige Fragen entscheiden mit darüber, wie souverän du mit deinem ersten Gehalt umgehst. Die meisten Menschen kennen die Antworten nicht.

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Es ist der 28. eines Monats, dein erstes Gehalt liegt seit drei Wochen auf dem Konto, und du fragst dich, wo eigentlich die Hälfte hin ist. Niemand hat dir je gezeigt, was du damit machen sollst. Du kennst die Mitternachtsformel, die wichtigsten Flüsse Europas und vielleicht ein paar Vokabeln, die du nie wieder gebraucht hast. Aber das eine, das dich jeden einzelnen Monat deines Lebens begleiten wird, dein eigenes Geld, kam im Lehrplan praktisch nicht vor.

Mach den Test. Du legst 1.000 Euro zu zwei Prozent Zinsen pro Jahr an und rührst sie fünf Jahre nicht an. Hast du danach mehr als 1.100 Euro, genau 1.100 oder weniger? Zweite Frage: Deine Zinsen liegen bei einem Prozent, die Preise steigen aber um zwei Prozent. Kannst du dir nächstes Jahr mehr, gleich viel oder weniger leisten als heute? Dritte Frage: Ist eine einzelne Aktie sicherer als ein breit gestreuter Aktienfonds, oder riskanter? Klingt simpel. Ist es auch. Und trotzdem scheitern überraschend viele erwachsene, berufstätige Menschen genau daran.

Diese drei Fragen sind kein Quiz aus dem Internet. Die Ökonominnen Annamaria Lusardi und Olivia Mitchell haben sie als wissenschaftliches Messinstrument entwickelt, die berühmten 'Big Three'. Sie prüfen drei Grundprinzipien: den Zinseszins, also dass Geld mit der Zeit auf sich selbst wächst, die Inflation, also dass Geld real an Wert verliert, wenn die Preise schneller steigen als die Zinsen, und die Risikostreuung, also dass eine einzelne Aktie wackeliger ist als ein breit aufgestellter Fonds. Drei Sätze, drei Hebel, ein ganzes Finanzleben.

Das Ergebnis ihrer großen Auswertung im Journal of Economic Literature ist ein kleiner Schock. Nur rund ein Drittel der erwachsenen US-Bevölkerung beantwortet alle drei Fragen korrekt. Am häufigsten patzen die Leute bei der Risikostreuung. Und nein, das ist kein amerikanisches Problem, das wir uns von außen anschauen können. In vielen Industrieländern, Deutschland eingeschlossen, sehen die Zahlen ähnlich oder schlechter aus. Die Lücke sitzt nicht in einem fernen Land, sie sitzt mitten in deinem Freundeskreis.

Kurze Challenge

Wie viel Prozent der erwachsenen US-Bevölkerung beantworten in der Auswertung von Lusardi und Mitchell alle drei Grundfragen (Zinseszins, Inflation, Risikostreuung) korrekt?

0 %100 %
~1/3beantworten alle drei Grundfragen richtig

In der Auswertung von Lusardi und Mitchell (Journal of Economic Literature, 2014) beantwortet nur rund ein Drittel der erwachsenen US-Bevölkerung alle drei Grundfragen (Zinseszins, Inflation, Risikostreuung) korrekt, und höhere Finanzbildung hängt messbar mit besserer Altersvorsorge und Vermögensaufbau zusammen.

Quelle: Lusardi, A. & Mitchell, O. S. (2014), Journal of Economic Literature 52(1), 5–44

Jetzt kommt der Teil, der wirklich zählt. Dieses Wissen ist kein Selbstzweck und kein Angeberfakt fürs nächste Date. Lusardi und Mitchell fassen Studien zusammen, nach denen finanziell gebildetere Menschen häufiger fürs Alter vorsorgen, seltener in teure Schuldenfallen tappen und über die Jahre eher Vermögen aufbauen. Finanzwissen verhält sich wie eine Fähigkeit, in die du investieren kannst und die dir später Zinsen zahlt. Es ist nicht Talent, es ist Training. Und genau deshalb ist die Lücke gleichzeitig deine Chance: Wer die drei Prinzipien beherrscht, ist schon weiter als die Mehrheit.

Warum stand das nie an der Tafel? Weil Lehrpläne lange auf Wissen gebaut waren, das man abfragen kann, nicht auf Entscheidungen, die man im echten Leben trifft. Dabei ist keines der drei Prinzipien Raketenwissenschaft. Zinseszins heißt, früh anfangen lohnt sich überproportional, jedes Jahr Vorsprung arbeitet still für dich weiter. Inflation heißt, Geld, das nur auf dem Girokonto liegt, schrumpft real, auch wenn die Zahl gleich bleibt. Risikostreuung heißt, niemals alles auf eine Karte. Wer diese drei Sätze verinnerlicht, hat den größten Teil der Strecke schon hinter sich.

Und am Berufseinstieg wird das richtig konkret. Wer früh versteht, wie betriebliche Altersvorsorge, eine Gehaltsverhandlung und eine simple Geldanlage zusammenspielen, verhandelt selbstbewusster und schläft ruhiger. Gerade in Beratung und Verkauf gibt dir Finanzwissen außerdem etwas, das man nicht faken kann: Glaubwürdigkeit. Du redest über Zahlen, ohne ins Schwimmen zu kommen, und Menschen spüren das sofort. Niemand verlangt von dir, Finanzexperte zu sein. Aber die drei Grundprinzipien zu beherrschen, ist ein kleiner Hebel mit erstaunlich großer Wirkung, und du kannst heute damit anfangen.

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