Unternehmertum

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Die besten Chancen kommen nicht von deinen besten Freunden.

Warum dir lockere Bekannte oft mehr Türen öffnen als dein engster Freundeskreis.

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Stell dir vor, du brauchst dringend einen Job, einen ersten Kunden, einen Fuß in der Tür. Wen fragst du zuerst? Klar, die engsten Leute. Beste Freundin, Bruder, der Kumpel aus der WG. Fühlt sich sicher an. Und genau das ist das Problem. Deine engsten Kontakte leben in deiner Welt. Sie kennen dieselben Menschen, scrollen durch dieselben Feeds, hören von denselben Gelegenheiten. Was sie wissen, weißt du längst. Du fragst also genau die Leute, die dir am wenigsten Neues bieten können.

Schon 1973 hatte der Soziologe Mark Granovetter eine unbequeme Vermutung. Er befragte Menschen, die kurz zuvor ihren Job gewechselt hatten, und stellte fest: Die meisten waren nicht über enge Freunde an die Stelle gekommen, sondern über lose Bekannte. Über Leute, die sie nur ab und zu sahen. Sein Bild dafür ist bis heute stark. Enge Freunde sind ein warmer Raum, in dem alle dasselbe wissen. Lose Bekannte sind Brücken. Sie verbinden dich mit Räumen, die du sonst nie betreten würdest, und über diese Brücken läuft die wirklich neue Information. Etwa die offene Stelle, die noch gar nicht ausgeschrieben ist.

Lange war das eine schöne Theorie ohne harten Beweis. Bis 2022. Ein Team von MIT, Harvard, Stanford und LinkedIn machte aus der Idee das größte Experiment, das es zu dieser Frage je gab. Über fünf Jahre variierten die Forschenden die Kontaktvorschläge von mehr als 20 Millionen Menschen ganz leicht. Dabei entstanden rund zwei Milliarden neue Verbindungen und etwa 600.000 neue Jobs. Veröffentlicht im Fachjournal Science. Das Ergebnis bestätigte Granovetter, und zwar nicht als Korrelation, sondern kausal: Eher schwache Kontakte führten häufiger zu einem Jobwechsel als enge. Die zweite Reihe deines Netzwerks schlägt die erste.

Aber Vorsicht, die Lektion lautet nicht je fremder, desto besser. Die Forschenden fanden eine umgekehrte U-Kurve. Ganz fremde Menschen bringen wenig, weil das Vertrauen fehlt und niemand für dich den Hörer in die Hand nimmt. Enge Freunde bringen wenig, weil ihr Wissen sich mit deinem deckt. Die echte Goldzone liegt dazwischen. Bekannte, mit denen du hin und wieder zu tun hast. Genug Nähe für eine ehrliche Empfehlung, genug Distanz für frisches Wissen. Genau diese mittelstarken Verbindungen öffnen am häufigsten eine Tür.

Kurze Challenge

Welche Kontakte führten in der großen LinkedIn-Studie am häufigsten zu einem neuen Job?

600.000 Jobsin der LinkedIn-Studie über 5 Jahre erfasst

Eine groß angelegte Science-Studie mit randomisierten LinkedIn-Experimenten (mehr als 20 Mio. Menschen, ca. 2 Mrd. neue Kontakte, rund 600.000 Jobs über fünf Jahre) bestätigte kausal, dass eher schwache Kontakte häufiger zu einem Jobwechsel führen als enge. Am wirksamsten sind mittelstarke Bindungen (umgekehrte U-Kurve).

Quelle: Rajkumar, K., Saint-Jacques, G., Bojinov, I., Brynjolfsson, E., & Aral, S. (2022). A causal test of the strength of weak ties. Science, 377(6612), 1304-1310. DOI: 10.1126/science.abl4476

Für deinen Berufseinstieg heißt das etwas sehr Konkretes. Deine besten Chancen schlummern wahrscheinlich nicht im Gruppenchat mit deinen drei besten Freunden, sondern in der zweiten Reihe deines Adressbuchs. Der frühere Mitschüler, der heute in einer spannenden Branche steckt. Die Person vom Praktikum vor zwei Jahren. Der Typ, mit dem du auf einem Event mal zwanzig Minuten geredet hast. Keine engen Freunde, aber Brücken in Welten, von denen dein Kernkreis nichts ahnt.

Und das Beste: Du musst dafür kein lautes Networking-Spiel spielen. Es geht nicht ums Verkaufen, es geht ums Offenhalten. Gratuliere zu einem neuen Job. Teile etwas, das wirklich nützlich ist. Stelle eine ehrliche Frage und höre zu. Wer regelmäßig kleine, echte Berührungen mit losen Kontakten hat, baut sich über die Zeit genau das Netz, aus dem die guten Gelegenheiten kommen. Ganz ohne Show.

Die Botschaft ist unaufgeregt und ziemlich befreiend. Pflege deine engen Freundschaften, weil sie dich tragen, nicht weil sie deine Karriere machen. Deine nächste große Chance kommt eher von jemandem am Rand deines Netzwerks. Nicht weil diese Person dich besser kennt, sondern weil sie etwas weiß, das du noch nicht weißt. Fang heute an: Schreib einem losen Kontakt eine kurze, ehrliche Nachricht. Mehr braucht eine Brücke nicht, um zu halten.

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