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Stress-Mindset: Wie du Druck zum Verbündeten machst.

Es ist kurz vor dem ersten Termin. Dein Herz klopft, die Hände sind feucht. Die Frage ist nicht, ob du das spürst. Die Frage ist, was du dir in diesem Moment darüber erzählst.

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Zwei Berufseinsteiger stehen vor derselben Tür. Beide spüren genau dasselbe: schnellerer Puls, flacher Atem, dieses Kribbeln im Bauch. Der eine denkt: 'Mist, ich bin nervös, das geht bestimmt schief.' Der andere denkt: 'Gut, mein Körper macht mich bereit, jetzt bin ich wach.' Gleicher Körper, gleiche Anspannung, völlig andere Geschichte im Kopf. Und genau diese Geschichte entscheidet mehr über den Ausgang des Gesprächs, als die meisten ahnen.

Das klingt nach Küchenpsychologie, ist aber sauber untersucht. Die Stanford-Forscherin Alia Crum hat mit Peter Salovey und Shawn Achor 2013 in einer der renommiertesten Fachzeitschriften der Psychologie gezeigt, dass es nicht nur darauf ankommt, wie viel Stress du hast, sondern was du über Stress glaubst. Sie nennen das deine Stress-Denkweise. Glaubst du, Stress macht dich kaputt und blockiert dich? Oder glaubst du, Stress schärft dich, gibt dir Energie und macht dich leistungsfähiger? Beide Überzeugungen sind weit verbreitet, und beide haben handfeste Folgen.

Um das zu prüfen, holten die Forscher Mitarbeiter eines großen Finanzunternehmens ins Boot, mitten in einer angespannten Phase. Eine Gruppe von 164 Leuten bekam kurze Schulungsvideos, die Stress als schädlich und gefährlich darstellten. Eine zweite Gruppe von 163 Leuten sah Videos, die genau das Gegenteil vermittelten: Stress kann dich wachsen lassen, Stress macht dich stärker. Niemand wurde von seiner Arbeitslast entlastet. Verändert wurde einzig die Sichtweise auf den Druck, sonst nichts.

Das Ergebnis ist genau das, was Vertriebler hören sollten. Die Gruppe, die gelernt hatte, Stress als hilfreich zu sehen, berichtete danach von weniger körperlichen Stresssymptomen wie Rückenschmerzen oder Verspannungen und von besserer Leistung bei der Arbeit. Und das, obwohl sich an ihrem tatsächlichen Arbeitsdruck nichts geändert hatte. Allein die neue Brille auf denselben Druck verschob, wie der Körper reagierte und wie gut die Leute funktionierten. Der Druck blieb. Was kippte, war die Wirkung.

Kurze Challenge

Was veränderten Crum und Kollegen bei den Mitarbeitern des Finanzunternehmens?

163Mitarbeiter lernten, Stress als Verbündeten zu sehen, und funktionierten besser

Crum, Salovey und Achor zeigten in einem Feldexperiment mit Mitarbeitern eines Finanzunternehmens, dass eine kurze Video-Intervention die Stress-Denkweise verschieben kann. Die Gruppe, die lernte, Stress als leistungsfördernd zu sehen (163 Personen), berichtete anschließend über weniger körperliche Stresssymptome und bessere Arbeitsleistung als die Gruppe, die Stress als schädlich vermittelt bekam (164 Personen), obwohl der reale Arbeitsdruck unverändert blieb.

Quelle: Crum, A. J., Salovey, P., & Achor, S. (2013), Journal of Personality and Social Psychology 104(4), 716-733

Jetzt der häufigste Denkfehler. Stress positiv nutzen heißt nicht, dir einzureden, dass alles toll ist und du nie Angst hast. Das wäre Selbstbetrug, und dein Körper merkt das sofort. Es geht darum, das Körpersignal richtig zu deuten. Der schnelle Puls vor dem Anruf ist nicht der Beweis, dass du versagst. Es ist dein System, das Blut und Sauerstoff bereitstellt, damit du im entscheidenden Moment präsent bist. Genau diese Umdeutung ist der Hebel, und sie kostet dich keinen Cent, nur eine bewusste Entscheidung.

Für deinen Alltag an der Tür und am Telefon heißt das ganz konkret: Wenn vor dem nächsten Termin die Anspannung kommt, sag dir nicht 'ich bin gestresst', sondern 'ich bin bereit'. Behandle das Klopfen in der Brust als Startsignal, nicht als Warnung. Wenn du das fünfte Nein kassierst und der Frust steigt, deute ihn als Zeichen, dass dir die Sache wichtig ist, nicht als Beweis, dass du es nicht kannst. Du nimmst ja ohnehin nur Kontaktdaten auf, du verkaufst niemandem etwas. Der Druck, den du spürst, ist also fast immer größer als die echte Gefahr.

Das Beste daran ist, dass diese Denkweise trainierbar ist. In der Studie reichten ein paar kurze Videos, um die Sichtweise zu verschieben. Du kannst dasselbe mit dir machen, indem du bei jeder Anspannung kurz innehältst und die Geschichte umschreibst. Anfangs fühlt sich das künstlich an, mit der Wiederholung wird es zu deiner Standardreaktion. Druck verschwindet im Vertrieb nie ganz, vor jedem wichtigen Gespräch wird er da sein. Aber ob er dich lähmt oder dich trägt, das entscheidest am Ende du.

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