Persönlichkeit

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Selbstmitgefühl statt Selbstkritik: Wie du nach Fehlern besser weitermachst.

Es ist 16 Uhr, der vierte Korb des Tages. Der eine schimpft innerlich auf sich selbst und macht für heute zu. Der andere atmet durch, sagt sich "das war ein schlechtes Gespräch, kein schlechter Mensch" und wählt die nächste Nummer.

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Stell dir zwei Berufseinsteiger nach demselben verpatzten Termin vor. Der eine zerlegt sich sofort: "Ich kann das einfach nicht, ich bin nicht gemacht für den Job." Der andere denkt: "Das lief nicht gut, das passiert jedem am Anfang, was nehme ich daraus mit?" Beide haben denselben Fehler gemacht. Aber der zweite ist eine Stunde später wieder am Telefon, während der erste den Rest des Tages mit sich hadert. Genau dieser Unterschied entscheidet auf Dauer, wer im Vertrieb bleibt und wer nicht.

Die meisten glauben, harte Selbstkritik sei der Preis für Verbesserung. Wer sich nach einem Fehler richtig fertigmacht, der nimmt ihn wenigstens ernst, oder? Die Forschung sagt das Gegenteil. Juliana Breines und Serena Chen von der University of California in Berkeley haben in vier Experimenten genau das untersucht: Was passiert mit der Motivation, sich zu verbessern, wenn Menschen sich nach einem Fehler mitfühlend statt hart behandeln? Veröffentlicht haben sie es 2012 im Fachjournal Personality and Social Psychology Bulletin.

Das Ergebnis ist unbequem für alle, die glauben, sie müssten sich selbst antreiben wie ein strenger Trainer. In einem der Experimente schrieben Teilnehmer über eine eigene Schwäche. Eine Gruppe wurde dabei angeleitet, sich selbst Mitgefühl entgegenzubringen, also so mit sich zu reden, wie man mit einem guten Freund reden würde. Genau diese Gruppe glaubte danach stärker, dass sie sich ändern kann, und war motivierter, an der Schwäche zu arbeiten. In einem weiteren Experiment lernten Teilnehmer nach einer misslungenen Testaufgabe sogar länger für den nächsten Versuch, wenn sie sich vorher Selbstmitgefühl zugesprochen hatten.

Warum ist das so? Selbstmitgefühl heißt nicht, Fehler kleinzureden oder sich rauszureden. Es heißt, drei Dinge zu trennen, die der innere Kritiker gern in einen Topf wirft. Erstens: Der Fehler war real, du schaust ihn ehrlich an. Zweitens: Ein Fehler macht dich nicht zum Versager, er macht dich zum Menschen, denn allen passiert das. Drittens: Du redest mit dir freundlich statt vernichtend. Wer sich nicht selbst zerlegt, hat den Kopf frei, um auf den Fehler zu schauen, statt ihn aus Scham wegzuschieben. Selbstkritik dagegen lähmt, weil sie dich beschäftigt mit dir selbst, statt mit der Sache.

Kurze Challenge

Was fanden Breines und Chen über Menschen, die sich nach einem Fehler mit Selbstmitgefühl statt harter Selbstkritik behandelten?

4Experimente zeigten: Selbstmitgefühl steigert die Motivation zur Verbesserung

In vier Experimenten zeigten Breines und Chen, dass Selbstmitgefühl nach einem Fehler die Motivation zur Verbesserung erhöht: Teilnehmer glaubten stärker an die eigene Veränderbarkeit, wollten eher etwas wiedergutmachen und lernten nach einem misslungenen Test sogar länger für den nächsten Versuch als Teilnehmer mit reiner Selbstkritik oder Selbstwertfokus.

Quelle: Breines, J. G., & Chen, S. (2012), Personality and Social Psychology Bulletin 38(9), 1133-1143

Genau hier liegt der häufigste Denkfehler. Viele verwechseln Selbstmitgefühl mit Selbstmitleid oder mit Aufgeben. Dabei ist es das Werkzeug, das dich überhaupt erst handlungsfähig hält. Wer sich nach jedem Nein innerlich anschreit, verbraucht seine Energie an der falschen Stelle. Irgendwann meidet er die Situation, die den Schmerz auslöst, also das Telefon. Wer sich dagegen fair behandelt, bleibt dem unangenehmen Moment zugewandt und kann ihn nutzen. Nicht der Härteste mit sich selbst lernt am schnellsten, sondern der, der nach dem Sturz schnell wieder aufsteht.

Für deinen Berufseinstieg heißt das ganz konkret: Nach einer Absage oder einem schlechten Gespräch stopp den ersten Reflex. Statt "ich bin zu blöd dafür" frag dich "was war hier los und was mache ich beim nächsten Mal anders?". Sprich innerlich so mit dir, wie du mit einem Kollegen sprechen würdest, der gerade dasselbe erlebt hat. Trenn die Sache von deiner Person: ein verpatztes Gespräch ist ein verpatztes Gespräch, kein Urteil über dich. Und dann mach den nächsten Schritt, idealerweise sofort, solange der Mut noch warm ist.

Das Befreiende daran ist, dass Selbstmitgefühl kein weicher Luxus ist, den man sich erst nach dem Erfolg leistet. Es ist eine Fähigkeit, die du üben kannst, und sie macht dich härter im Nehmen, nicht weicher. Wer früh lernt, sich nach Fehlern nicht selbst niederzumachen, hat einen leisen Vorsprung, den man von außen kaum sieht: Er bleibt dran, wo andere innerlich schon aufgegeben haben. Am Ende gewinnt im Vertrieb nicht, wer keine Fehler macht. Es gewinnt, wer nach dem Fehler am schnellsten wieder weitermacht.

Selbstmitgefühl: Wie wir uns mit unseren Schwächen versöhnen und uns vor uns selbst nicht mehr verstecken müssen von Kristin Neff

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Kristin Neff

Neff hat das Konzept des Selbstmitgefühls wissenschaftlich begründet und zeigt praxisnah, wie du nach Fehlern freundlich mit dir umgehst, ohne deine Ansprüche zu senken.

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