Stell dir vor, du sitzt am Abend vor einem wichtigen Termin und gehst ihn im Kopf durch. Die meisten Menschen machen jetzt einen ganz bestimmten Film: Sie sehen sich am Ende strahlen, den Abschluss in der Tasche, das gute Gefuehl. Genau dieses Kopfkino wird dir ueberall als Erfolgsrezept verkauft. Stell dir nur fest genug vor, dass du gewinnst, dann gewinnst du auch. Klingt logisch. Ist aber, so wie es die meisten machen, ziemlich wirkungslos.
Lien Pham und Shelley Taylor von der University of California haben genau das untersucht. Sie begleiteten 101 Studierende vor einer wichtigen Klausur. Eine Gruppe sollte sich fuenf bis sieben Tage lang jeden Tag fuenf Minuten ausmalen, wie sie eine Eins schreibt und sich grossartig fuehlt. Das ist die Ergebnis-Visualisierung. Eine zweite Gruppe sollte sich stattdessen den Weg vorstellen: wann sie sich hinsetzt, wo sie lernt, wie sie sich durch den Stoff arbeitet. Das ist die Prozess-Visualisierung. Danach schauten die Forscher auf die echten Noten.
Das Ergebnis ist unbequem fuer jeden, der gern vom Erfolg traeumt. Die Gruppe, die sich den Weg vorgestellt hatte, schnitt deutlich besser ab als die, die sich nur das Ergebnis ausgemalt hatte: im Schnitt rund 81 Prozent gegenueber knapp 73 Prozent in der Klausur. Und es kam noch dicker. Die Erfolgs-Traeumer lernten nicht etwa mehr, sie lernten tendenziell sogar weniger. Sich den Sieg auszumalen fuehlte sich so gut an, dass die Anstrengung davor unwichtig wurde. Das Kopfkino hatte den Erfolg quasi schon vorweggenommen.
Warum funktioniert der Weg, aber nicht das Ziel? Weil dein Gehirn beim Durchspielen der Schritte zwei Dinge tut, die wirklich helfen. Erstens planst du automatisch. Du merkst, an welcher Stelle es haken koennte, und loest das Problem schon im Kopf, bevor es real wird. Zweitens sinkt deine Anspannung. Was du gedanklich oft durchlaufen bist, fuehlt sich im Ernstfall vertraut an statt bedrohlich. Genau diese beiden Effekte, bessere Planung und weniger Angst, waren in der Studie der Grund fuer die besseren Noten. Das reine Ziel im Kopf liefert keins von beiden.
Kurze Challenge
Welche Art der Visualisierung fuehrte bei Pham und Taylor zu den besseren Klausurnoten?
In einer Studie mit 101 Studierenden, die sich fuenf bis sieben Tage lang taeglich auf eine Klausur einstimmten, schnitt die Gruppe mit Prozess-Visualisierung (den Lernweg durchspielen) mit im Schnitt rund 81 Prozent deutlich besser ab als die Gruppe mit Ergebnis-Visualisierung (sich die gute Note ausmalen) mit knapp 73 Prozent. Der Vorteil entstand durch bessere Planung und geringere Angst; reines Ausmalen des Erfolgs steigerte den Lernaufwand nicht.
Quelle: Pham, L. B., & Taylor, S. E. (1999), Personality and Social Psychology Bulletin 25(2), 250-260Uebersetz das auf deinen Alltag bei nya works. Du verkaufst nichts, du nimmst nur Kontaktdaten von Menschen auf, die Interesse haben. Trotzdem ist da diese Anspannung vor dem ersten Gespraech. Statt dir abends auszumalen, wie der Mensch begeistert seine Daten dalaesst, spiel den Weg durch. Wie gehst du auf jemanden zu? Welchen ersten Satz sagst du? Was antwortest du, wenn jemand kurz angebunden ist? Wie fragst du freundlich nach der Telefonnummer? Lauf den Film in Einzelschritten ab, nicht das Happy End.
Das Gleiche gilt fuer einen vereinbarten Termin. Setz dich am Abend vorher fuenf Minuten hin und geh ihn der Reihe nach durch. Die Begruessung, die ersten Fragen, der Moment, in dem du die wichtigsten Punkte aufnimmst, der Uebergang zur Verabschiedung. Stell dir bewusst auch die holprige Stelle vor, die unsichere Rueckfrage, und wie du ruhig darauf reagierst. Du wirst merken, dass der echte Termin sich danach anfuehlt wie eine Wiederholung von etwas, das du schon kennst. Genau das nimmt den Druck raus.
Mach also Schluss mit dem netten Erfolgsfilm im Kopf, der sich gut anfuehlt und nichts bringt. Mentales Training, das wirklich hilft, ist unspektakulaer: Du gehst den Weg durch, Schritt fuer Schritt, mit den schwierigen Stellen drin. So erreichst du Ziele nicht, indem du sie dir wuenschst, sondern indem du die Handlung vorab uebst, die dich hinbringt. Kostet fuenf Minuten am Tag und keinen Cent. Und es ist eine der wenigen Abkuerzungen, die die Forschung tatsaechlich hergibt.
Buch zum Thema
Die Macht der Disziplin: Wie wir unseren Willen trainieren koennen
Roy F. Baumeister und John Tierney
Es zeigt auf Basis der Forschung, wie mentale Vorbereitung und Selbststeuerung wirklich funktionieren, statt sich auf gute Gefuehle und Wunschdenken zu verlassen.
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