Persönlichkeit

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Selbstgespräche, die deine Leistung steigern.

Es ist die fünfte Absage am Vormittag. In deinem Kopf läuft schon der Satz 'Ich kann das nicht'. Was du dir in diesem Moment selbst sagst, entscheidet über den sechsten Anruf.

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Zwei Einsteiger stehen an derselben Haustür. Beide haben gerade ein Nein kassiert, beide gehen zur nächsten Tür. Der eine murmelt innerlich 'typisch, das wird heute eh nichts mehr'. Der andere sagt sich leise 'ruhig bleiben, freundlich fragen, nur Kontaktdaten aufnehmen'. Von außen sieht das gleich aus. Innen läuft etwas völlig Verschiedenes ab. Und genau dieser stille Unterschied wirkt sich messbar darauf aus, wie die nächsten Minuten laufen.

Das ist kein Motivationsspruch, sondern gut untersucht. Antonis Hatzigeorgiadis und sein Team von der Universität Thessalien haben 2011 alle verfügbaren Experimente zum Thema zusammengetragen. In ihrer Meta-Analyse werteten sie 32 Studien aus, die zusammen 62 einzelne Effektmessungen lieferten. Die Frage war simpel: Verbessert es die Leistung, wenn Menschen gezielt mit sich selbst sprechen, statt den Kopf einfach laufen zu lassen? Untersucht wurde das bei Sportlern, weil sich Leistung dort sauber in Zahlen messen lässt.

Das Ergebnis war eindeutig und nüchtern zugleich. Gezielte Selbstgespräche hoben die Leistung mit einer mittleren Effektstärke von 0,48 an. Das ist kein Wunder und keine Garantie, aber ein solider, verlässlicher Effekt, der quer durch viele unterschiedliche Studien stabil blieb. Übersetzt heißt das: Wer sich bewusst die richtigen Sätze sagt, holt spürbar mehr aus sich heraus als jemand, der seinem inneren Dauerkommentar einfach freien Lauf lässt. Der Effekt ist kein Zufall einzelner Untersuchungen, sondern ein Muster über Dutzende Versuche hinweg.

Spannend ist, wann Selbstgespräche am stärksten wirken. Die Forscher fanden, dass der Effekt bei neuen, noch ungewohnten Aufgaben größer war als bei längst eingespielten. Genau da steckst du als Berufseinsteiger. Das erste Telefonat, die erste Tür, das erste echte Gespräch sind für deinen Kopf Neuland. Und genau in diesem Neuland holst du am meisten heraus, wenn du dir selbst klare, hilfreiche Anweisungen gibst, statt dich von Nervosität und Selbstkritik steuern zu lassen.

Kurze Challenge

Schätz mal: Wie groß war in der Meta-Analyse die mittlere Effektstärke, mit der gezielte Selbstgespräche die Leistung verbessern?

0 Effektstärke1 Effektstärke
0,48mittlere Effektstärke gezielter Selbstgespräche auf die Leistung

Eine Meta-Analyse von 32 Studien mit insgesamt 62 Effektmessungen ergab, dass gezielte Selbstgespräche die Leistung mit einer mittleren Effektstärke von 0,48 verbessern. Der Effekt war bei neuen, ungewohnten Aufgaben stärker als bei eingespielten.

Quelle: Hatzigeorgiadis, Zourbanos, Galanis & Theodorakis (2011), Perspectives on Psychological Science 6(4), 348-356

Jetzt der häufigste Denkfehler. Selbstgespräche heißt nicht, sich krampfhaft 'Ich bin der Beste' einzureden. In der Forschung wirken zwei Arten von Sätzen. Anweisende Sätze richten deine Aufmerksamkeit auf das, was du gerade tun sollst, etwa 'langsam sprechen' oder 'erst zuhören, dann fragen'. Ermutigende Sätze halten dich bei der Stange, etwa 'ein Nein gehört dazu, weiter'. Für eher technische, neue Aufgaben sind die anweisenden Sätze oft am hilfreichsten, weil sie dich konkret durch den Ablauf führen.

So setzt du das im Alltag um. Leg dir vorher zwei oder drei kurze Sätze zurecht, bevor du zum Hörer greifst oder an die Tür klopfst. Halte sie knapp, positiv formuliert und auf das gerichtet, was du tun willst, nicht auf das, was du vermeiden willst. Also nicht 'bloß nicht stottern', sondern 'ruhig und langsam'. Sag sie dir bewusst vor dem Kontakt und nach jedem Nein einmal innerlich auf. Mit der Zeit ersetzt dieser kleine Ritual-Satz den alten Reflex, der dich sonst nach drei Absagen ausbremst.

Das Beste daran ist, dass dieser Hebel nichts kostet und niemandem auffällt. Du brauchst kein Talent dafür und keine Erlaubnis, du brauchst nur die Entscheidung, deinen inneren Kommentar nicht mehr dem Zufall zu überlassen. Dein Kopf redet sowieso die ganze Zeit. Die Frage ist nur, ob er für dich arbeitet oder gegen dich. Wenn du also das nächste Mal vor der fünften Absage stehst, gib dir den Satz, der dich zum sechsten Anruf trägt.

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