Unternehmertum

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Gezieltes Üben schlägt Stundenzählen: Der Mythos der 10.000 Stunden.

Zwei Verkäufer telefonieren gleich viel. Nach einem Jahr ist der eine doppelt so gut. Der Unterschied liegt nicht in der Zahl der Stunden, sondern in dem, was sie in diesen Stunden tun.

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Du kennst bestimmt den Satz von den 10.000 Stunden. Wer irgendetwas 10.000 Stunden lang macht, wird automatisch zum Profi, einfach genug durchhalten und der Erfolg kommt von selbst. Es gibt nur ein Problem. So hat es der Forscher, auf den sich diese Zahl beruft, nie gemeint. Die 10.000 Stunden sind eine starke Verkürzung, die ein Bestsellerautor später daraus gebastelt hat. Die eigentliche Botschaft der Forschung ist eine völlig andere, und sie ist für dich am Anfang deines Wegs viel wertvoller.

Der Psychologe Anders Ericsson hat mit zwei Kollegen 1993 Geiger an einer Berliner Musikhochschule untersucht. Sie teilten die Studierenden in Gruppen ein, von den besten bis zu den durchschnittlichen, und rechneten nach, wie viel jeder im Lauf seines Lebens allein geübt hatte. Das Ergebnis war eindeutig. Bis zum Alter von achtzehn Jahren hatten die besten Geiger im Schnitt rund 7.400 Stunden allein geübt, die gute Mittelgruppe etwa 5.300 Stunden und die schwächste Gruppe nur rund 3.400 Stunden. Mehr Übung, mehr Können. So weit, so erwartbar.

Aber hier kommt der Teil, den fast alle überspringen. Ericsson ging es nie um die reine Menge. Er prägte den Begriff des gezielten Übens, im Original deliberate practice. Damit meint er etwas sehr Bestimmtes. Übung, die genau darauf zugeschnitten ist, eine konkrete Schwäche zu beheben. Übung, die anstrengend ist und volle Konzentration verlangt. Übung, bei der du sofort siehst, ob es klappt, und nachsteuern kannst. Stundenlang das herunterspielen, was du sowieso schon kannst, zählt für ihn nicht als gezieltes Üben. Es fühlt sich produktiv an, bringt dich aber kaum weiter.

Ericsson fand sogar einen unbequemen Zusammenhang. Wenn er die Geiger bewerten ließ, wie nützlich eine Übungsform ist und wie viel Spaß sie macht, zeigte sich oft das Gegenteil voneinander. Genau die Übungen, die am meisten brachten, waren selten die angenehmen. Sie kosteten Kraft, weil sie an den eigenen Schwachstellen kratzten. Das ist der Kern der Sache. Nicht die Stunden, die leicht von der Hand gehen, machen dich besser, sondern die unbequemen, in denen du an etwas arbeitest, das du noch nicht gut kannst. Wer nur zählt, wie lange er übt, übersieht, was wirklich zählt.

Kurze Challenge

Was war laut der Studie von Ericsson und Kollegen der eigentliche Unterschied zwischen den besten und den schwächeren Geigern?

7.400 Std.Übung allein bei den besten Geigern bis Alter 18, schwächste Gruppe nur rund 3.400

In der Studie von Ericsson, Krampe und Tesch-Römer (1993) hatten die besten Geiger bis zum Alter von 18 Jahren im Schnitt rund 7.400 Stunden allein geübt, die gute Mittelgruppe etwa 5.300 und die schwächste Gruppe rund 3.400 Stunden. Entscheidend war für die Forscher jedoch nicht die bloße Menge, sondern gezieltes Üben (deliberate practice): anstrengende, auf Schwächen zugeschnittene Aktivitäten mit unmittelbarem Feedback. Die oft zitierte 10.000-Stunden-Regel ist eine spätere populärwissenschaftliche Vereinfachung und nicht die Aussage der Studie.

Quelle: Ericsson, K. A., Krampe, R. T., & Tesch-Römer, C. (1993), Psychological Review 100(3), 363-406

Übersetzen wir das in deinen Alltag im Vertrieb. Stell dir vor, du sollst Kontaktdaten aufnehmen und führst dafür Gespräche an der Tür oder am Telefon. Die meisten Einsteiger machen einfach möglichst viele Gespräche und hoffen, dass die Routine sie schon besser macht. Das ist Stundenzählen. Hundert Gespräche, bei denen du jedes Mal denselben Fehler wiederholst, machen dich nicht zum Profi. Sie zementieren nur den Fehler. Die Zahl auf deiner Liste sagt nichts darüber, ob du tatsächlich dazulernst.

Gezieltes Üben sieht anders aus, und es ist erstaunlich konkret. Such dir eine einzige Schwäche heraus, zum Beispiel den Moment, in dem dir Leute sagen, sie hätten gerade keine Zeit. Überleg dir vorher zwei, drei gute Reaktionen. Probier sie im nächsten Gespräch bewusst aus. Direkt danach nimmst du dir dreißig Sekunden und schreibst auf, was funktioniert hat und was nicht. Wenn es geht, lass dich von jemand Erfahrenem begleiten, der dir ehrliche Rückmeldung gibt, denn ohne Feedback tappst du im Dunkeln. So machst du aus jedem Gespräch echtes Übungsmaterial statt nur einer weiteren Zahl.

Die gute Nachricht steckt genau in dieser Forschung. Du musst nicht der oder die Begabteste sein, und du musst auch nicht stur die meisten Stunden anhäufen. Du brauchst einen klaren Blick auf deine eigenen Schwächen und die Bereitschaft, gezielt an ihnen zu arbeiten, auch wenn es unbequem ist. Wer jedes Gespräch bewusst nachbereitet und an einer Sache nach der anderen feilt, zieht an denen vorbei, die nur Anrufe zählen. Nicht die 10.000 Stunden machen den Unterschied. Es ist die Frage, ob du in deinen Stunden wirklich besser wirst oder nur dieselbe Stunde immer wieder wiederholst.

Top: Die neue Wissenschaft vom bewussten Lernen von Anders Ericsson

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Hier erklärt der Forscher selbst, was gezieltes Üben wirklich bedeutet und wie du es Schritt für Schritt auf deine eigene Arbeit anwendest, statt nur Stunden zu zählen.

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