Stell dir zwei Berufseinsteiger vor, beide vor demselben Problem. Sie sollen sich einen guten Aufhänger überlegen, mit dem sie heute fremde Menschen ansprechen, ohne aufdringlich zu wirken. Der eine bleibt am Schreibtisch sitzen, starrt auf den Notizblock und kaut am Stift. Nach zwanzig Minuten steht da ein einziger müder Satz. Der andere zieht die Jacke an und dreht eine Runde um den Block. Als er zurückkommt, hat er fünf Ideen im Kopf, von denen drei richtig brauchbar sind. Der Unterschied liegt nicht an Talent oder Tagesform. Er liegt daran, dass der eine seinen Körper bewegt hat und der andere nicht.
Genau das haben zwei Forschende der Stanford University untersucht, Marily Oppezzo und Daniel Schwartz. Sie wollten eine simple Frage beantworten: Hat es einen messbaren Effekt auf deine Kreativität, ob du beim Nachdenken sitzt oder gehst? Über vier Experimente mit insgesamt 176 Teilnehmenden ließen sie Menschen Kreativitätsaufgaben lösen, einmal sitzend, einmal beim Gehen auf dem Laufband oder draußen an der frischen Luft. Eine typische Aufgabe war, sich möglichst viele ungewöhnliche Verwendungen für einen Alltagsgegenstand auszudenken. Also nicht: Wofür ist ein Knopf da, sondern: Was könnte man sonst noch alles damit machen.
Das Ergebnis war erstaunlich eindeutig. In dem Experiment, bei dem die Teilnehmenden draußen spazieren gingen, lieferten 81 Prozent von ihnen mehr kreative Ideen als im Sitzen. Vier von fünf Menschen wurden also nachweisbar einfallsreicher, sobald sie in Bewegung kamen. In einem weiteren Versuch verdoppelte sich die Zahl der wirklich neuen, originellen Antworten beim Gehen sogar im Vergleich zum Sitzen. Und es war egal, ob die Leute draußen in der Natur unterwegs waren oder drinnen auf einem Laufband vor einer kahlen Wand. Der Effekt kam vom Gehen selbst, nicht von der schönen Aussicht.
Wichtig ist, was genau hier besser wird. Gehen macht dich nicht in jeder Hinsicht klüger. Es hilft vor allem beim sogenannten divergenten Denken, also dem freien Sprudeln vieler Ideen, dem Spinnen, dem Suchen nach ungewöhnlichen Verbindungen. Bei Aufgaben, die nur eine einzige richtige Lösung haben, bringt das Gehen wenig. Wenn du also offen nach Möglichkeiten suchst, ist Bewegung dein Freund. Wenn du eine Zahl exakt ausrechnen oder eine Vorschrift korrekt anwenden musst, setz dich besser hin. Es geht nicht darum, dass Sitzen schlecht ist. Es geht darum, das Richtige zur richtigen Aufgabe zu tun.
Kurze Challenge
Im Experiment mit Spaziergängen im Freien: Wie viel Prozent der Teilnehmenden hatten beim Gehen mehr kreative Ideen als im Sitzen?
In einer Stanford-Studie über vier Experimente mit 176 Teilnehmenden steigerte Gehen das kreative, divergente Denken deutlich. Im Experiment mit Spaziergängen im Freien lieferten 81 Prozent der Teilnehmenden mehr kreative Ideen als im Sitzen; in einem weiteren Versuch verdoppelte sich die Zahl neuer, origineller Antworten. Der Effekt zeigte sich beim freien Ideenfinden, nicht bei Aufgaben mit nur einer richtigen Lösung, und hielt teils auch nach dem Hinsetzen an.
Quelle: Oppezzo, M., & Schwartz, D. L. (2014), Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition 40(4), 1142-1152Noch ein Detail, das die meisten überrascht. Der kreative Schub verschwand nicht in dem Moment, in dem die Teilnehmenden sich wieder hinsetzten. Wer vorher spazieren war und sich danach an den Tisch setzte, dachte immer noch deutlich freier als jemand, der die ganze Zeit gesessen hatte. Das Gehen wirkte also nach. Du musst deine besten Ideen nicht im Gehen festhalten, während du gleichzeitig auf den Verkehr achtest. Du kannst die Runde drehen, zurückkommen und den frischen, geöffneten Kopf dann am Schreibtisch nutzen, um deine Gedanken zu ordnen und aufzuschreiben.
Übersetzt auf deinen Alltag im Vertrieb heißt das etwas sehr Konkretes. Bei nya works verkaufst du nichts, du nimmst nur die Kontaktdaten von Menschen auf, die Interesse haben. Trotzdem brauchst du dafür Ideen: einen guten ersten Satz, eine freundliche Art, ins Gespräch zu kommen, eine passende Antwort, wenn jemand zögert. Wenn du vor einem schwierigen Gespräch sitzt und nicht weißt, wie du jemanden ansprechen sollst, dann grübel nicht immer länger am selben Fleck. Steh auf und geh zehn Minuten. Lass die möglichen Einstiege im Kopf durchlaufen, ohne sie zu erzwingen. Du wirst mit mehr Optionen zurückkommen, als du im Sitzen je gefunden hättest.
Das Beste daran ist, dass dieser Hebel jedem offensteht. Er kostet kein Geld, kein Talent und keine besondere Begabung. Während andere am Schreibtisch festhängen und auf die zündende Idee warten, verschaffst du dir mit einem simplen Spaziergang einen Kopf voller Möglichkeiten. Bau dir das zur Gewohnheit: kurz raus, bevor du dir Ansprachen überlegst, eine Runde drehen, wenn du in einer Sackgasse steckst. Wenn du das nächste Mal das Gefühl hast, dein Denken dreht sich im Kreis, dann lös den Kreis auf, indem du losgehst. Deine besten Ideen warten oft nicht am Schreibtisch, sondern auf dem Weg um den Block.
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