Persönlichkeit

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Dankbarkeit: die unterschätzte Kraft hinter Wohlbefinden und Durchhaltevermögen.

Freitagabend, fünfzehn Neins im Rücken, der Block fast leer. Zwei Leute am selben Tisch ziehen aus genau diesem Tag zwei völlig verschiedene Schlüsse, und das hat Folgen für den Montag.

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Stell dir zwei Berufseinsteiger vor, gleicher Tag, gleiche Liste, gleiche Quote an Absagen. Der eine packt zusammen und denkt: 'Wieder nichts, ich bin einfach nicht gut darin.' Der andere hält kurz inne und notiert sich drei Dinge, die heute trotzdem liefen. Ein Gespräch, das länger ging als sonst. Ein Mensch, der freundlich blieb. Eine Frage, die er beim nächsten Mal besser stellen wird. Beide haben denselben Tag erlebt. Aber sie nehmen zwei verschiedene Tage mit nach Hause. Und über Wochen entscheidet genau das, wer morgens wieder zum Hörer greift.

Das klingt nach einem netten Ratschlag von der Sorte, die man schnell wieder vergisst. Ist es aber nicht. Robert Emmons und Michael McCullough haben das in einem sauberen Experiment untersucht und rund zweihundert Studierende per Zufall in drei Gruppen geteilt. Die einen schrieben wöchentlich auf, wofür sie dankbar waren. Die anderen notierten ihre Ärgernisse. Die dritte Gruppe hielt nur neutrale Ereignisse fest. Sonst lief das Leben für alle ganz normal weiter. Es war also nicht die Lebenslage, die sich unterschied, sondern allein der Blick darauf.

Das Ergebnis ist bemerkenswert deutlich. Die Dankbarkeits-Gruppe berichtete rund fünfundzwanzig Prozent mehr Zufriedenheit und blickte optimistischer auf die kommende Woche als die beiden anderen Gruppen. Sie fühlte sich besser, was das eigene Leben insgesamt anging, und bewegte sich nebenbei sogar deutlich mehr. Und das Entscheidende: Niemandem ist über Nacht etwas Gutes zugestoßen. Es war exakt dieselbe Realität, nur regelmäßig auf das Gelungene hin abgesucht statt auf das Fehlende. Dankbarkeit hat hier nichts geschönt, sie hat nur den Fokus verschoben.

Warum wirkt das so stark? Weil dein Kopf von Natur aus nach Problemen sucht, nicht nach Erfolgen. Das war evolutionär sinnvoll, das Raubtier zu übersehen war gefährlicher als die schöne Aussicht zu verpassen. Aber im Berufsalltag dreht dieser Mechanismus durch. Die zehn Absagen brennen sich ein, das eine gute Gespräch verdunstet. Dankbarkeit ist kein Wegschauen vor dem, was schiefging. Sie ist eine bewusste Gegenbewegung, die das Gute wieder sichtbar macht, das sonst sang- und klanglos unter dem Negativen verschwindet.

Kurze Challenge

In der Studie von Emmons und McCullough: Um wie viel Prozent zufriedener und optimistischer war die Dankbarkeits-Gruppe im Vergleich zu den anderen?

0 %100 %
+25 %mehr Zufriedenheit und Optimismus in der Dankbarkeits-Gruppe

In einem randomisierten Experiment mit rund 200 Studierenden, die wöchentlich entweder Dinge der Dankbarkeit, Ärgernisse oder neutrale Ereignisse notierten, berichtete die Dankbarkeits-Gruppe etwa 25 Prozent höhere Zufriedenheit und mehr Optimismus für die kommende Woche, bewegte sich mehr und fühlte sich insgesamt wohler als die Vergleichsgruppen, bei objektiv gleicher Lebenslage.

Quelle: Emmons, R. A., & McCullough, M. E. (2003), Journal of Personality and Social Psychology 84(2), 377-389

Wichtig ist dabei, was Dankbarkeit nicht ist. Sie ist kein Zwang zur guten Laune und kein Schönreden eines miesen Tages. Du musst dir nicht einreden, dass fünfzehn Neins toll waren. Es geht nicht darum, das Schwere kleinzumachen, sondern das Gute nicht länger zu übersehen. Genau das macht den Unterschied zu hohlen Sprüchen aus. Du erfindest nichts, du erkennst nur an, was ohnehin da war und sonst untergegangen wäre. Wer das verwechselt, hält Dankbarkeit für Selbstbetrug und verpasst das Werkzeug.

Für deinen Einstieg in den Vertrieb ist das Gold wert, denn dein Job lebt von vielen Kontakten und damit von vielen Neins. Mach dir nach einem harten Tag zur Gewohnheit, drei konkrete Dinge zu notieren, die liefen. Nicht 'es war okay', sondern: Mit wem hattest du ein echtes Gespräch? Wo bist du ruhiger geblieben als letzte Woche? Welche Reaktion hat dir verraten, was beim nächsten Mal besser geht? Du richtest deinen Blick damit weg von der Quote des einzelnen Tages und hin zu deinem Fortschritt über Wochen. Genau dieser Blick trägt dich durch die Tage, an denen sonst nur die Absagen zählen würden.

Das Beste daran: Dankbarkeit ist kein Charakterzug, den manche haben und andere nicht. Sie ist eine Gewohnheit, die du dir an einem festen Punkt im Tag aufbaust, abends nach Feierabend in zwei Minuten. Du brauchst dafür kein Talent, keine besondere Stimmung und niemanden, der dir Mut zuredet. Du brauchst nur die Bereitschaft, deinen Tag einmal bewusst auf das Gelungene hin durchzusehen, bevor du ihn abhakst. Wer das durchhält, wird seine Lage nicht über Nacht ändern. Aber er wird sie anders erleben, und damit länger durchhalten als der, der nur die Neins zählt.

Vom Glück der Dankbarkeit: Wie eine einfache Gewohnheit unser Leben verändert

Buch zum Thema

Vom Glück der Dankbarkeit: Wie eine einfache Gewohnheit unser Leben verändert

Robert Emmons

Der Forscher hinter der Studie erklärt selbst, wie Dankbarkeit als trainierbare Gewohnheit messbar das Wohlbefinden hebt, statt nur ein netter Vorsatz zu bleiben.

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