Kommunikation

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Vertrautheit: Warum Wiedersehen Vertrauen schafft.

Vier Frauen setzten sich ein Semester lang einfach nur in denselben Hörsaal, sprachen mit niemandem. Am Ende fanden die Kommilitonen ausgerechnet die am sympathischsten, die sie am häufigsten gesehen hatten.

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Stell dir vor, du sollst jemanden bewerten, mit dem du nie ein Wort gewechselt hast. Genau das passierte 130 Studierenden in einem großen Uni-Kurs, ohne dass sie es ahnten. Vier Frauen, einander im Aussehen sehr ähnlich, besuchten über das Semester verteilt die Vorlesung. Die eine kam gar nicht, die nächste zu fünf, die dritte zu zehn, die vierte zu fünfzehn Sitzungen. Keine von ihnen sprach jemanden an, keine fiel besonders auf. Sie saßen einfach da. Am Ende des Semesters bekamen die Studierenden Fotos der vier zu sehen und sollten sie einschätzen.

Das Ergebnis ist erstaunlich klar. Je öfter eine Frau im Hörsaal gesessen hatte, desto sympathischer und attraktiver wurde sie bewertet. Und das, obwohl niemand sich bewusst an sie erinnerte oder je mit ihr gesprochen hatte. Diese Untersuchung von Richard Moreland und Scott Beach aus dem Jahr 1992 ist eines der schönsten Belegstücke für etwas, das die Psychologie den Mere-Exposure-Effekt nennt. Auf Deutsch: Allein die wiederholte Begegnung macht uns einen Menschen vertrauter, und Vertrautheit fühlt sich gut an.

Dahinter steckt ein uralter Mechanismus aus dem Kopf. Was uns bekannt vorkommt, stuft unser Gehirn als ungefährlich ein. Fremdes kostet Aufmerksamkeit und löst eine leise Wachsamkeit aus. Vertrautes dagegen läuft mühelos durch, und genau diese Leichtigkeit deuten wir als angenehmes Gefühl. Wir verwechseln 'das kenne ich' mit 'das mag ich'. Deshalb wirkt jemand, den du zum fünften Mal triffst, automatisch sympathischer als beim ersten Mal, ganz ohne dass die Person irgendetwas dafür tun muss.

Für dich im Vertrieb ist das eine der wichtigsten Erkenntnissen überhaupt, und sie nimmt enorm Druck raus. Du musst Menschen nicht beim ersten Kontakt überzeugen. Vertrauen aufbauen ist kein Moment, sondern ein Prozess, der über mehrere freundliche Begegnungen entsteht. Wer beim ersten Gespräch noch zurückhaltend wirkt, ist beim dritten oft schon deutlich offener. Nicht weil du ein besseres Argument hattest, sondern weil dein Gesicht, deine Stimme und dein Name inzwischen vertraut geworden sind.

Kurze Challenge

Warum bewerteten die Studierenden die Frauen als sympathischer, je öfter diese im Hörsaal gesessen hatten?

15Besuche reichten ohne ein einziges Wort, um deutlich sympathischer zu wirken

Vier Frauen besuchten 0, 5, 10 oder 15 Mal denselben Uni-Kurs, ohne mit jemandem zu sprechen. Am Semesterende bewerteten 130 Studierende sie anhand von Fotos: Je häufiger eine Frau anwesend gewesen war, desto attraktiver und sympathischer wurde sie eingeschätzt, obwohl es nie eine Interaktion gegeben hatte.

Quelle: Moreland, R. L., & Beach, S. R. (1992), Journal of Experimental Social Psychology 28(3), 255-276

Konkret heißt das: Setze auf mehrfachen, leichten Kontakt statt auf den einen großen Auftritt. Ein kurzer freundlicher Gruß, ein knappes Follow-up nach ein paar Tagen, eine kleine Nachfrage, ob alles geklappt hat. Jede dieser harmlosen Begegnungen zahlt auf dein Konto der Vertrautheit ein. Wenn du dieselben Menschen regelmäßig wiedersiehst, etwa im selben Stadtteil oder bei wiederkehrenden Terminen, dann grüße bewusst, auch wenn gerade kein Gespräch ansteht. Das Wiedersehen selbst ist die Arbeit.

Wichtig ist dabei eine Grenze, die du kennen solltest. Der Effekt trägt nur, solange deine Kontakte angenehm oder zumindest neutral sind. Aufdringlichkeit, Druck oder ein schlechter erster Eindruck kehren die Wirkung um, dann verstärkt jede Wiederholung das Unbehagen. Es geht also nicht darum, möglichst oft zu nerven, sondern darum, eine Beziehung zu pflegen, die sich für dein Gegenüber leicht und freundlich anfühlt. Sympathie wächst aus wiederholter, entspannter Vertrautheit, nie aus Belästigung.

Denk also nicht in einzelnen Gesprächen, sondern in Beziehungen über Zeit. Der Mensch, der dir heute höflich, aber distanziert begegnet, kann dir in vier Wochen vertrauen, einfach weil ihr euch ein paar Mal freundlich gesehen habt. Das nimmt dir die Angst vor dem Nein, denn ein Nein heute ist selten ein Nein für immer. Es ist nur der erste von mehreren Kontakten. Wer Vertrautheit geduldig aufbaut, gewinnt am Ende das Vertrauen, das beim ersten Treffen noch unmöglich schien.

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