Kommunikation

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Die Peak-End-Regel: Warum das Ende eines Gesprächs alles entscheidet.

Zwei Menschen erleben dasselbe schmerzhafte Experiment. Der eine leidet sogar etwas länger. Trotzdem will genau er es freiwillig wiederholen. Der Grund verrät dir, woran sich Kunden an dich erinnern.

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Stell dir zwei Türgespräche an einem Samstagvormittag vor. Beide dauern fünf Minuten, beide laufen am Anfang etwas holprig, weil der Mensch an der Tür gerade keine Zeit hat. Im ersten Gespräch wird es zum Schluss hektisch, du wirkst gedrängt und verabschiedest dich kurz angebunden. Im zweiten endest du ruhig, bedankst dich ehrlich für die Minute und wünschst einen schönen Tag. Inhaltlich war fast alles gleich. Trotzdem erinnert sich der eine an einen netten Kontakt und der andere an eine kleine Belästigung. Warum?

Diese Frage haben Daniel Kahneman und sein Team schon 1993 in einem heute berühmten Experiment untersucht. Zweiunddreißig Versuchspersonen tauchten ihre Hand in schmerzhaft kaltes Wasser von 14 Grad. Im kurzen Durchgang blieb die Hand sechzig Sekunden drin. Im langen Durchgang dieselben sechzig Sekunden, danach aber noch dreißig Sekunden länger, während das Wasser leicht erwärmt wurde, sodass der Schmerz spürbar nachließ, ohne ganz zu verschwinden. Der lange Durchgang enthielt also den gesamten Schmerz des kurzen plus eine Extraportion. Rein rational müsste ihn niemand freiwillig wiederholen wollen.

Genau das Gegenteil passierte. Zweiundzwanzig von zweiunddreißig Versuchspersonen, also rund 69 Prozent, entschieden sich dafür, den längeren und insgesamt schmerzhafteren Durchgang zu wiederholen. Sie wählten mehr Schmerz, weil die Erinnerung daran angenehmer war. Der Grund ist verblüffend einfach: Unser Gedächtnis bewertet ein Erlebnis nicht als Summe aller Momente. Es speichert vor allem zwei Punkte ab, den intensivsten Moment und das Ende. Kahneman nannte das später die Peak-End-Regel. Wie lange etwas insgesamt dauerte, spielt für die Erinnerung dagegen kaum eine Rolle.

Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse für jeden, der mit Menschen spricht. Dein Gegenüber wird sich später nicht an jeden Satz erinnern, den du gesagt hast. Es wird sich an das Gefühl im stärksten Moment erinnern und vor allem daran, wie sich das Gespräch angefühlt hat, als es zu Ende ging. Ein insgesamt gutes Gespräch, das gehetzt oder genervt endet, bleibt als unangenehm in Erinnerung. Ein durchschnittliches Gespräch, das warm und respektvoll endet, bleibt als angenehm hängen. Das Ende färbt rückwirkend das Ganze.

Kurze Challenge

Woran erinnert sich dein Gegenuber laut der Peak-End-Regel am stärksten, wenn es ein Gespräch bewertet?

69 %wählten mehr Schmerz, weil das Ende milder war

In Kahnemans Experiment von 1993 tauchten 32 Versuchspersonen ihre Hand in 14 Grad kaltes Wasser. Im langen Durchgang folgte auf 60 Sekunden Schmerz noch 30 Sekunden mit langsam nachlassendem, aber weiter unangenehmem Schmerz. Obwohl dieser Durchgang insgesamt mehr Schmerz enthielt, wählten 22 von 32 Personen (69 Prozent) ihn zur Wiederholung, weil das mildere Ende die Erinnerung positiver machte. Die Gesamtdauer spielte für die Bewertung kaum eine Rolle, entscheidend waren der schlimmste Moment und das Ende.

Quelle: Kahneman, Fredrickson, Schreiber & Redelmeier (1993), Psychological Science 4(6), 401-405

Für deinen Einstieg in den Vertrieb heißt das vor allem eines: Behandle den Abschluss eines Gesprächs nicht als Nebensache. Bei nya works nimmst du an der Tür ohnehin nur Kontaktdaten auf, du verkaufst nichts und drängst niemanden. Umso mehr zählt, wie du gehst. Plane die letzten zwanzig Sekunden bewusst. Bedanke dich ehrlich für die Zeit, auch wenn kein Interesse da war. Lächle, bleib ruhig, wünsche einen schönen Tag. Diese kleinen Sekunden bestimmen, ob der Mensch dich als angenehm oder als lästig abspeichert.

Das gilt sogar dann, wenn du gerade ein klares Nein bekommen hast. Viele Einsteiger werden nach einer Absage kühl und ziehen sich frustriert zurück, und genau das ist der teuerste Fehler. Denn das Ende, das du hinterlässt, ist die Erinnerung, die bleibt. Wer auch nach einem Nein freundlich und gelassen bleibt, sorgt dafür, dass dieser Mensch dich in guter Erinnerung behält. Vielleicht erzählt er es weiter, vielleicht ist beim nächsten Mal die Tür offener. Ein freundliches Ende kostet dich nichts und arbeitet für dich, lange nachdem du weg bist.

Mach dir die Peak-End-Regel zur festen Gewohnheit. Achte erstens darauf, im Gespräch wenigstens einen ehrlich positiven Moment zu schaffen, etwa ein echtes Kompliment oder ein gemeinsames Lachen. Und beende zweitens jedes Gespräch bewusst freundlich, egal wie es lief. Du musst nicht das perfekte Gespräch führen, um gut in Erinnerung zu bleiben. Du musst nur den Spitzenmoment und das Ende stimmig machen. Der letzte Eindruck ist der, der bleibt, also entscheide bewusst, welchen du hinterlässt.

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Kahneman erklärt hier selbst den Unterschied zwischen erlebendem und erinnerndem Selbst und zeigt, warum das Ende eines Erlebnisses unsere Erinnerung so stark prägt.

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