Kommunikation

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Warum Fragen stellen dich sympathisch macht.

Über zweitausend Speed-Dates wurden ausgewertet. Wer am Ende öfter ein zweites Date bekam, hatte nicht besser geredet, sondern besser gefragt.

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Stell dir zwei Leute vor, die an derselben Tür klingeln. Der eine legt sofort los und erzählt von sich, von seinem Anliegen, von seinem Tag. Der andere stellt eine kurze Frage und hört zu, dann eine zweite Frage, die direkt an die Antwort anknüpft. Beide sind freundlich, beide meinen es gut. Trotzdem bleibt der zweite länger im Gespräch und wird als der sympathischere Mensch in Erinnerung behalten. Das ist kein Zufall und auch kein Charisma-Trick, sondern ein Muster, das Forscher quer durch hunderte echte Gespräche immer wieder gefunden haben.

Ein Team um Karen Huang an der Harvard Business School wollte es genau wissen und ließ Menschen frei miteinander reden, im Labor und bei echten Speed-Dates. Dabei zählten sie schlicht, wer wie viele Fragen stellte, und fragten danach, wie sympathisch das Gegenüber wirkte. Das Ergebnis war erstaunlich klar. Wer mehr Fragen stellte, wurde durchweg als sympathischer wahrgenommen. Nicht ein bisschen, sondern verlässlich über alle Gespräche hinweg. Und eine bestimmte Sorte Frage stach heraus.

Diese Sorte heißt Nachfrage. Eine Nachfrage ist keine neue Frage aus dem Nichts, sondern eine, die direkt an das anknüpft, was dein Gegenüber gerade gesagt hat. Erzählt jemand, dass er gerade umgezogen ist, dann ist 'Wie gefällt dir die neue Gegend?' eine Nachfrage. Sie zeigt etwas, das man nicht vortäuschen kann: Ich habe zugehört, und mich interessiert, was du sagst. Genau diese Art Frage hatte in den Studien die stärkste Wirkung auf die Sympathie, weil sie echtes Interesse beweist statt es nur zu behaupten.

Bei den Speed-Dates zeigte sich das ganz handfest. Über zweitausend Vier-Minuten-Gespräche wurden ausgewertet, und am Ende durfte jeder ankreuzen, wen er wiedersehen wollte. Wer mehr Nachfragen gestellt hatte, bekam häufiger ein zweites Date. Das Faszinierende daran: Den Beteiligten war das überhaupt nicht bewusst. Sie hätten nie gesagt 'der hat so gut gefragt', sie fanden die Person einfach angenehm. Gute Fragen wirken im Verborgenen, das Gegenüber spürt nur das Ergebnis.

Kurze Challenge

Welche Art Frage machte die Gesprächspartner in der Studie am stärksten sympathisch?

2000+Speed-Dating-Gespräche zeigten: Mehr Nachfragen, mehr zweite Dates

In drei Studien mit echten Gesprächen, darunter über 2000 Speed-Dating-Konversationen, wurden Menschen, die mehr Fragen stellten, verlässlich als sympathischer wahrgenommen. Besonders Nachfragen (Folgefragen, die an die letzte Antwort anknüpfen) steigerten die Sympathie und erhöhten bei den Speed-Dates die Wahrscheinlichkeit, ein zweites Date angeboten zu bekommen.

Quelle: Huang, Yeomans, Brooks, Minson & Gino (2017), Journal of Personality and Social Psychology 113(3), 430-452

Warum funktioniert das so zuverlässig? Weil Fragen ein Signal senden, das die Forscher Responsivität nennen, also Zugewandtheit. Sie sagen ohne Worte: Ich nehme dich wahr, ich verstehe dich, du bist mir wichtig. Die meisten Menschen reden im Gespräch am liebsten über sich selbst und tun genau das. Wer stattdessen den Scheinwerfer auf den anderen richtet, hebt sich sofort ab. Das kostet dich nichts, kein Talent und keine glatte Zunge, nur die Bereitschaft, neugierig zu sein.

Für die Haustür oder das Telefon heißt das etwas sehr Konkretes. Geh nicht mit einem fertigen Vortrag rein, sondern mit echtem Interesse an dem Menschen vor dir. Stell eine offene Frage, hör wirklich zu und hak dann an der Antwort an. Sagt jemand, die letzten Rechnungen seien teuer geworden, frag nach, wie sich das bei ihm bemerkbar macht, statt sofort deine Lösung herauszuholen. Du musst nichts verkaufen, du nimmst nur Kontaktdaten auf, und Menschen geben ihre Daten viel lieber jemandem, der ihnen zugehört hat, als jemandem, der nur geredet hat.

Das Schöne ist, dass du das ab dem nächsten Gespräch üben kannst. Nimm dir eine einzige Sache vor: nach jeder Antwort eine Nachfrage stellen, bevor du etwas Eigenes sagst. Anfangs fühlt sich das ungewohnt an, fast als würdest du das Gespräch verlangsamen. Aber genau diese kleine Pause baut die Sympathie auf, die jedes weitere Wort von dir leichter macht. Wer fragt, führt. Und wer nachfragt, bleibt im Kopf.

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