Kommunikation

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Körpersprache: Was deine Haltung beim Gegenüber auslöst.

Du betrittst den Raum, sagst noch kein Wort, und trotzdem hat der Mensch dir gegenüber schon entschieden, ob er dich mag. Dein Körper hat geredet, bevor dein Mund die Chance bekam.

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Stell dir vor, du gehst zu einem Vorstellungsgespräch. Die Tür geht auf, du machst zwei Schritte, reichst die Hand. In diesem winzigen Moment passiert etwas, das du gar nicht steuerst und das du auch nicht zurücknehmen kannst. Dein Gegenüber hat schon ein Urteil gefällt. Wie schnell genau? Forschende der Princeton University, Janine Willis und Alexander Todorov, zeigten Testpersonen Gesichter für nur den Bruchteil einer Sekunde. Das Ergebnis war verblüffend. Schon nach 100 Millisekunden hatten die Leute ein Urteil über Vertrauenswürdigkeit, Kompetenz und Sympathie gebildet. Mehr Zeit machte das Urteil kaum noch genauer, es machte die Leute nur sicherer in dem, was sie ohnehin schon dachten.

Lass das kurz wirken. 100 Millisekunden, das ist schneller als ein Wimpernschlag. In dieser Zeit kannst du nichts erklären, nichts beweisen, kein cleveres Argument bringen. Da zählt nur, was man sieht. Und was man sieht, ist nicht dein Lebenslauf. Es ist, wie du stehst, wie du den Kopf hältst, ob deine Schultern offen sind oder eingezogen, ob dein Blick den Raum nimmt oder am Boden klebt.

Das klingt zuerst unfair. Ist es vielleicht auch. Aber es ist eine Chance, sobald du es verstehst. Denn dein Körper sendet ständig Signale, ob du willst oder nicht. Die Frage ist nur, ob er das Richtige sendet. Jemand, der mit hängenden Schultern und gesenktem Kopf hereinkommt, sagt ohne ein Wort: Ich bin mir nicht sicher, ob ich hierher gehöre. Jemand, der aufrecht steht, die Brust offen, den Blick ruhig auf das Gegenüber gerichtet, sagt: Ich bin da, und es ist okay, dass ich da bin.

Du kennst das aus dem Alltag. Der Kellner, der zögerlich an deinen Tisch tritt, gegen den, der mit klarem Gang auf dich zukommt. Der Mitschüler, der beim Referat hinter seinem Zettel verschwindet, gegen den, der den Raum anschaut. Du spürst den Unterschied sofort, lange bevor jemand etwas Inhaltliches gesagt hat. Genau dieses Gefühl löst auch dein Körper bei anderen aus. Du bist nicht die Ausnahme, du bist der Sender.

Kurze Challenge

Wie viele Millisekunden braucht ein Mensch laut der Princeton-Studie, um aus einem Gesicht einen ersten Eindruck über Vertrauenswürdigkeit zu bilden?

10 Millisekunden3000 Millisekunden

Menschen brauchen nur etwa 100 Millisekunden, also weniger als einen Wimpernschlag, um aus einem ersten Eindruck zu schließen, ob sie dich für vertrauenswürdig und kompetent halten. Mehr Zeit ändert dieses Urteil kaum noch.

Quelle: Willis & Todorov (2006), Psychological Science 17(7):592-598: First Impressions: Making Up Your Mind After a 100-Ms Exposure to a Face (frei zugaengliches PDF, University of Chicago)

Das Schöne ist: Du kannst daran arbeiten, und zwar ohne dich zu verstellen. Es geht nicht darum, eine Rolle zu spielen oder einen einstudierten Macho-Gang aufzusetzen. Es geht um kleine, ehrliche Dinge. Steh gerade, statt dich klein zu machen. Halt Blickkontakt, ohne zu starren. Lass deine Hände sichtbar und ruhig, statt sie zu verstecken. Atme einmal durch, bevor du in den Raum gehst. Das sind keine Tricks, das ist eine Haltung, die nach außen zeigt, was idealerweise auch innen wächst.

Und hier wird es spannend für deinen Berufseinstieg. Jeder erste Kontakt im Job ist genau so ein 100-Millisekunden-Moment. Das erste Treffen mit dem Teamleiter. Der erste Smalltalk mit Kollegen in der Pause. Im Verkauf der erste Augenblick, in dem du an einer Tür stehst und jemand entscheidet, ob er dir überhaupt zuhört. Du verkaufst in diesem Moment nichts, du nimmst nur Kontakt auf. Aber wie du dabei dastehst, entscheidet, ob die Tür aufgeht oder sich schließt. Inhalt kannst du nachliefern. Den ersten Eindruck nicht.

Die gute Nachricht zum Schluss: Niemand erwartet, dass du als geborenes Talent auftrittst. Körpersprache ist Übung, kein Geschenk. Jeder Kontakt, jedes Gespräch, jeder Probetag ist eine Wiederholung, in der du besser wirst. Wer früh anfängt, bewusst aufzutreten, hat im Berufsleben einen Vorsprung, der mit keinem Zeugnis zu kaufen ist. Dein Körper redet sowieso. Bring ihm bei, das zu sagen, was du wirklich meinst.

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Samy Molcho

Samy Molcho, ehemaliger Pantomime und einer der bekanntesten deutschsprachigen Experten für Körpersprache, erklärt anschaulich und mit vielen Bildern, wie Haltung, Gestik und Mimik wirken. Ein gut zugänglicher Einstieg, der zeigt, wie du deinen Körper bewusster einsetzt, ohne dich zu verstellen.

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